Steckbrief: Nejra Kadić

Vor- und Nachname:
Nejra Kadić

Wohnort in Bosnien und Herzegowina:
Bosanska Otoka

Fach- oder Klassenlehrer:
Bosnische Sprache

Welche Klassen unterrichten Sie in der Bosnischen Schule:
1.– 9. Klasse

Seit wann sind Sie in der Bosnischen Schule beschäftigt:
September 2025

Warum haben Sie sich entschieden, Lehrerin zu werden?
Schon seit meiner frühesten Kindheit hatte ich den Wunsch, eines Tages Lehrerin zu werden. Meine Lehrerin, die ihren Beruf mit so viel Liebe, Aufmerksamkeit und Respekt ausübte, hat mich sehr geprägt. Ich sah in ihr mein Vorbild. Heute kann ich voller Dankbarkeit sagen, dass ich mir meinen Kindheitstraum erfüllt habe. Bosnische Sprache und Literatur waren meine naheliegende Wahl, da es mein Lieblingsfach in der Schule war. Die Liebe zum Lesen, die mich seit meiner frühen Kindheit begleitet, ist bis heute meine große Leidenschaft.
Was würden Sie tun, wenn Sie nicht im Bildungsbereich tätig wären?
Ehrlich gesagt, kann ich mir kaum einen anderen Beruf vorstellen. Selbst wenn ich versuche, diese Frage zu beantworten, komme ich immer wieder zu dem Schluss, dass die Arbeit mit Kindern mich erfüllt.
Auch nach meiner Ankunft in Deutschland habe ich weiterhin mit Kindern gearbeitet, sowohl in meinem Hauptberuf als auch durch mein Engagement an der Bosnischen Schule in München. Es ist eine Berufung, die mir eine ganz besondere Zufriedenheit schenkt. Selbst in Momenten der Erschöpfung genügt das aufrichtige Lächeln eines Kindes, um neue Energie zu tanken und daran zu erinnern, warum diese Arbeit so wertvoll ist. Gerade in einer Zeit, in der Kinder mit vielen Herausforderungen aufwachsen, ist es besonders wichtig, dass sie Menschen an ihrer Seite haben, die ihnen Verständnis, Unterstützung und Geborgenheit schenken.

Was gefällt Ihnen an der Bosnischen Schule in München?
Nach meiner Ankunft in Deutschland war es mir besonders wichtig, mit unserer Sprache und Gemeinschaft verbunden zu bleiben. Ich wollte dazu beitragen, die bosnische Sprache, Kultur und Identität unter den Kindern in der Diaspora zu bewahren.
Obwohl die Pandemie diese Pläne vorübergehend durchkreuzte, blieb der Wunsch bestehen. Als die Aktivitäten wieder aufgenommen und die Klasse in Augsburg eröffnet wurde, wurde ich ab September 2025 selbst Teil dieser Geschichte, wofür ich unendlich dankbar bin.
Unsere Klasse besteht aus Kindern, die normalerweise unterschiedliche Jahrgangsstufen besuchen, aber genau das verleiht ihr eine besondere Herzlichkeit. Wir sind zu einer kleinen Gemeinschaft geworden, die wie eine Familie funktioniert. Woche für Woche freue ich mich darauf zu sehen, wie die Kinder Fortschritte machen, wie sie sich vernetzen und wie sie durch die Zusammenarbeit Freundschaften schließen.
Ich sehe einen besonderen Wert darin, dass wir den Unterricht nicht auf die klassischen Lehrpläne beschränken. Durch vielfältige Aktivitäten, Gespräche und kreatives Arbeiten lernen die Kinder nicht nur die Sprache, sondern entdecken auch ihre Kultur, ihre Geschichte und ihre Wurzeln.
Wie könnten Eltern ihre Kinder motivieren, zu Hause Bosnisch zu sprechen? Was würden Sie den Eltern empfehlen?
Ohne kontinuierliche Unterstützung im familiären Umfeld sind kaum nennenswerte Fortschritte zu erwarten. Zwei Unterrichtsstunden pro Woche können eine gute Grundlage bilden, doch das Selbstvertrauen beim Sprechen der Muttersprache entwickelt sich durch den täglichen Gebrauch und regelmäßiges Lesen zu Hause.
Im Unterricht versuche ich, die Kinder zum Lesen anzuregen, was ihnen oft schwerfällt. Deshalb ist es wichtig, die Lesegewohnheit zu Hause zu fördern, zum Beispiel durch kurze, interessante Geschichten.
Eltern sollten keine Angst haben, dass Kinder, die zu Hause Bosnisch sprechen, Schwierigkeiten beim Erlernen der Sprache des Landes in dem sie leben, haben. Im Gegenteil: Kinder sind äußerst anpassungsfähig und erwerben problemlos mehrere Sprachen gleichzeitig.
Deshalb ist es wichtig, die Muttersprache in der Familie durch Gespräche, Bücher und kleine, wertvolle Alltagsgewohnheiten zu pflegen. Manchmal genügt schon eine kleine Geste, wie ein mitgebrachtes Buch aus dem Bosnienurlaub, um das Interesse und die Verbundenheit eines Kindes zu wecken.
Meine Botschaft an die Eltern ist einfach: Sprechen Sie Bosnisch mit Ihren Kindern und ermutigen Sie sie, die Sprache mit Stolz zu verwenden. Melden sie Ihre Kinder in der Bosnischen Schule an und lassen Sie uns gemeinsam das aufbewahren, was uns verbindet. Denn Sprache ist nicht nur ein Mittel zur Kommunikation – sie ist ein Teil unserer Identität, unserer Zugehörigkeit und unserer Wurzeln. Das beste Beispiel dafür ist die Fußballnationalmannschaft von Bosnien und Herzegowina. Viele von ihnen verbrachten ihre Kindheit fern der Heimat, doch heute tragen sie mit besonderem Stolz das Trikot mit dem Wappen ihres Landes. Das zeigt, wie stark und unvergänglich die Liebe zur Heimat ist und wie wichtig es ist, dass unsere Kinder immer wissen, wo sie hingehören und wo ihre Wurzeln sind.