{"id":677,"date":"2026-01-20T21:39:35","date_gmt":"2026-01-20T20:39:35","guid":{"rendered":"https:\/\/bosnische-schule.org\/?p=677"},"modified":"2026-01-20T21:39:35","modified_gmt":"2026-01-20T20:39:35","slug":"bosnische-sprache-in-deutschen-schulen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bosnische-schule.org\/?p=677","title":{"rendered":"Bosnische Sprache in deutschen Schulen"},"content":{"rendered":"<p>Erdin Kaduni\u0107<\/p>\n<p>Die Ergebnisse, zu denen Oslobo\u0111enje nach Korrespondenz mit deutschen Ministerien und Verb\u00e4nden gelangt ist, zeigen, dass das Bild komplex und oft widerspr\u00fcchlich ist: von Erfolgen in bestimmten Bundesl\u00e4ndern bis hin zu v\u00f6lligem Desinteresse in anderen und sogar regelrechten Skandalen.<\/p>\n<p>Deutschland ist das wichtigste Land f\u00fcr die bosnische Diaspora. Sch\u00e4tzungen zufolge leben dort heute mehr als 200.000 Menschen bosnischer Herkunft, und einige Quellen sprechen von einer deutlich h\u00f6heren Zahl, wenn man auch die Nachkommen der zweiten Generation mit einbezieht. Hier haben viele Familien Arbeit, Sicherheit und eine Zukunft gefunden, aber gleichzeitig stellt sich zunehmend die Frage: Wie viel Kontakt haben ihre Kinder \u00fcberhaupt noch mit der bosnischen Sprache?<\/p>\n<p>Genau deshalb ist Deutschland entscheidend f\u00fcr den Erhalt der Sprache und Identit\u00e4t in der Diaspora. Wenn das Bosnische hier nicht \u00fcberlebt \u2013 in dem Land mit der gr\u00f6\u00dften Zahl unserer Auswanderer, der am besten organisierten Gemeinschaft und den meisten Kindern \u2013, ist es schwer zu erwarten, dass es anderswo \u00fcberlebt. Die Ergebnisse, die Oslobo\u0111enje nach Korrespondenz mit deutschen Ministerien und Verb\u00e4nden erzielt hat, zeigen, dass das Bild komplex und oft widerspr\u00fcchlich ist: von Erfolgen in bestimmten Bundesl\u00e4ndern bis hin zu v\u00f6lligem Desinteresse in anderen und sogar zu regelrechten Skandalen.<\/p>\n<p><strong>Organisation des Unterrichts<\/strong><\/p>\n<p>In Berlin, wo eine gro\u00dfe Anzahl von Menschen bosnischer Herkunft lebt, war die bosnische Sprache nie Teil des offiziellen Lehrplans.<\/p>\n<p>Die zust\u00e4ndige Berliner Beh\u00f6rde f\u00fcr Bildung, Jugend und Familie erkl\u00e4rte, dass es in der Stadt kein Unterrichtsprogramm f\u00fcr die bosnische Sprache gibt und dass in den letzten Jahren auch kein Interesse seitens der Schulen bestand, ein solches einzuf\u00fchren. Ihrer Aussage zufolge wird zus\u00e4tzlicher Muttersprachenunterricht nur organisiert, wenn eine ausreichende Anzahl von Kindern angemeldet ist und die Schulen einen Bedarf \u00e4u\u00dfern. Bislang gab es keine solchen Antr\u00e4ge f\u00fcr die bosnische Sprache.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich ist die Situation im benachbarten Brandenburg, wo das zust\u00e4ndige Ministerium best\u00e4tigt, dass f\u00fcr das Schuljahr 2025\/2026 keine Klassen f\u00fcr die bosnische Sprache gebildet wurden. Der Unterricht kann organisiert werden, wenn mindestens 12 Sch\u00fcler in derselben Sprachgruppe sind und die notwendigen Voraussetzungen erf\u00fcllt sind, aber bisher gab es kein Interesse. In beiden F\u00e4llen existiert die bosnische Sprache faktisch nicht im Bildungssystem und ist ausschlie\u00dflich von individuellen Initiativen der Eltern abh\u00e4ngig, die derzeit nicht stark genug sind, um eine institutionelle Ver\u00e4nderung herbeizuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Ein ganz anderes Bild ergibt sich aus dem Bundesland Nordrhein-Westfalen, wo die bosnische Sprache einen festen Platz im Bildungswesen hat. Nach Angaben des Bildungsministeriums besuchten im Schuljahr 2024\/2025 738 Sch\u00fcler bosnische Sprachkurse, was einem Anstieg von 10,6 % gegen\u00fcber dem Vorjahr entspricht. Der Unterricht findet in Regelschulen statt und wird aus dem Landeshaushalt finanziert. Die Lehrkr\u00e4fte sind qualifiziert und der Lehrplan entspricht den Bildungsstandards. Auf diese Weise haben die Kinder die M\u00f6glichkeit, ihre Sprache zu lernen, sie zu lesen und zu schreiben und sie nicht als Fremdsprache, sondern als nat\u00fcrlichen Teil ihrer Identit\u00e4t wahrzunehmen.<\/p>\n<p>Dieses Modell hat sich bew\u00e4hrt, da es nicht von konsularischen Einrichtungen, sondern von den Schulen selbst und den Bildungsbeh\u00f6rden der Provinz durchgef\u00fchrt wird. Dadurch wird eine Abh\u00e4ngigkeit von politischen Ver\u00e4nderungen, finanziellen Spenden oder administrativen Hindernissen vermieden. Der Sprachunterricht steht anderen F\u00e4chern gleichberechtigt gegen\u00fcber, und den Eltern entstehen keine zus\u00e4tzlichen Kosten. In dieser Provinz wird die bosnische Sprache in dieselbe Kategorie eingeordnet wie andere Sprachen, die Kindern ausl\u00e4ndischer Herkunft beigebracht werden. Dies zeigt, dass Mehrsprachigkeit als Vorteil angesehen werden kann und dass Sprachbewahrung nicht im Widerspruch zur Integration stehen muss.<\/p>\n<p>In Baden-W\u00fcrttemberg sieht die Situation ganz anders aus. Dort wurde einige Jahre der Unterricht in \u00a0bosnischer Sprache in Zusammenarbeit zwischen dem Generalkonsulat von Bosnien und Herzegowina in Stuttgart und dem lokalen Ministerium f\u00fcr Kultur, Jugend und Sport organisiert. Diese Zusammenarbeit wurde jedoch beendet, nachdem festgestellt wurde, dass die Angaben zur Sch\u00fclerzahl falsch waren. Das Ministerium hat vom Generalkonsulat die R\u00fcckzahlung von rund 105.000 Euro gefordert, die als Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Unterricht gezahlt worden waren. Die Untersuchung ergab, dass der Verband der bosnischen Erg\u00e4nzungsschulen falsche Angaben zur Sch\u00fclerzahl gemacht hatte und die Mittel daher missbr\u00e4uchlich verwendet worden waren. Die Pr\u00e4sidentschaft von Bosnien und Herzegowina und das Au\u00dfenministerium in Sarajevo wurden \u00fcber den Fall informiert. Dies ist einer der gr\u00f6\u00dften Bildungsskandale, in die die bosnische Diaspora in Deutschland verwickelt ist.<\/p>\n<p>Dieser Fall zeigt, wie anf\u00e4llig ein System sein kann, das auf Spenden und dem guten Willen einzelner Personen basiert. Wenn es an Aufsicht mangelt, tragen nicht nur die Einrichtungen die Konsequenzen, sondern auch die Kinder selbst, da sie die M\u00f6glichkeit verlieren, am Unterricht teilzunehmen. Nachdem sich herausstellte, dass die gemeldeten Sch\u00fclerzahlen falsch waren, wurde das Vertrauen in die deutschen Beh\u00f6rden ernsthaft ersch\u00fcttert und die finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr bosnische Schulen in dieser Provinz ausgesetzt.<\/p>\n<p>In Bayern bietet die Regierung im Gegensatz zu anderen Bundesl\u00e4ndern keine Zusatzkurse in der Muttersprache an. Eltern und Lehrer haben daher selbst die Initiative ergriffen. Seit neun Jahren organisiert der Verein Bosnisch-Herzegowinische Schule M\u00fcnchen muttersprachlichen Unterricht in M\u00fcnchen, Augsburg und Penzberg. Die Vorsitzende des Vereins, Suada Konjhod\u017ei\u0107, sagt, dass derzeit mehr als 60 Sch\u00fcler in f\u00fcnf Klassen unterrichtet werden und die Zahl jedes Jahr steigt. Die Schule wird ausschlie\u00dflich durch Mitgliedsbeitr\u00e4ge und freiwillige Zahlungen der Eltern finanziert.<\/p>\n<p>Konjhod\u017ei\u0107 erkl\u00e4rt, dass die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen nicht nur finanzieller, sondern auch organisatorischer Natur sind. Der Unterricht findet in deutschen Schulklassen statt, oft am sp\u00e4ten Nachmittag, da keine anderen Zeitfenster verf\u00fcgbar sind. Dennoch w\u00e4chst das Interesse der Kinder. \u201eWir sind sehr stolz darauf, dass wir unseren Kindern die M\u00f6glichkeit geben k\u00f6nnen, ihre Muttersprache zu lernen und zu pflegen, aber auch neue Freunde zu finden und durch den Unterricht ein Gef\u00fchl der Verbundenheit und Zugeh\u00f6rigkeit zu unserer Gemeinschaft zu entwickeln\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p>Sie ist der Meinung, dass das in Nordrhein-Westfalen verwendete Modell viel besser und fairer w\u00e4re, da der Unterricht unter der Schirmherrschaft des Landes organisiert w\u00fcrde. \u201eEine unserer gr\u00f6\u00dften Herausforderungen ist die Organisation des Unterrichts\u201c, erkl\u00e4rt Suada Konjhod\u017ei\u0107. \u201eDerzeit haben wir mehrere Klassen, aber das bedeutet, dass wir nicht in jeder Schule in M\u00fcnchen Unterricht anbieten k\u00f6nnen, und in anderen St\u00e4dten Bayerns ist es noch schwieriger. Der Unterricht findet in den R\u00e4umlichkeiten deutscher Schulen statt, sodass wir zeitlich eingeschr\u00e4nkt sind \u2013 Termine am sp\u00e4ten Nachmittag oder Abend sind in der Regel nicht m\u00f6glich. Das sind die Hindernisse, mit denen wir t\u00e4glich konfrontiert sind, aber wir bem\u00fchen uns, sie zu \u00fcberwinden, weil wir an die Bedeutung unserer Arbeit glauben.\u201c<\/p>\n<p>Betrachtet man das Gesamtbild, wird deutlich, dass der Status der bosnischen Sprache in Deutschland sehr uneinheitlich ist. In einigen Bundesl\u00e4ndern schreitet der Unterricht voran und zieht immer mehr Sch\u00fcler an, w\u00e4hrend er in anderen gar nicht existiert. All dies zeigt, dass die bosnische Sprache in Deutschland tats\u00e4chlich ein Spiegelbild der Einstellung zur eigenen Identit\u00e4t und kulturellen Verantwortung ist.<\/p>\n<p>Ehrenamtliche Arbeit<\/p>\n<p>Die mangelnde Koordination zwischen Bosnien und Herzegowina und der Diaspora verkompliziert die Situation zus\u00e4tzlich. Es gibt weder eine einheitliche Strategie zur Erhaltung der Sprache im Ausland noch institutionelle Unterst\u00fctzung f\u00fcr Vereine, die mit Kindern arbeiten. Das Thema Sprache wird auf die ehrenamtliche Arbeit, den Enthusiasmus und den Einfallsreichtum der Eltern reduziert. Auf der anderen Seite zeigt ein Teil der Gemeinschaft ein nachlassendes Interesse, was auf eine tiefgreifende Assimilation und einen Verlust des Bewusstseins f\u00fcr die Bedeutung der Sprache hindeutet.<\/p>\n<p>Letztendlich ist der Kampf um den Erhalt der bosnischen Sprache in Deutschland nicht nur eine Frage der Bildung, sondern auch eine moralische Frage. Er zeigt, wie sehr eine Gemeinschaft ihre eigenen Wurzeln sch\u00e4tzt und wie viel Aufwand sie bereit ist zu betreiben, um diese zu bewahren. Der Erfolg in Nordrhein-Westfalen zeigt, dass es m\u00f6glich ist, wenn es ein System, einen Plan und staatliche Unterst\u00fctzung gibt. Der Skandal in Baden-W\u00fcrttemberg zeigt, wie leicht Vertrauen verloren gehen kann, und die Situation in Berlin und Brandenburg zeigt, dass das, was nicht gepflegt wird, einfach verschwindet.<\/p>\n<p>Die bosnische Sprache in der Diaspora wird nicht von alleine \u00fcberleben. Sie wird so lange weiterleben, wie ihre Eltern, Lehrer und Kinder sie am Leben erhalten. Wenn die Sprache verloren geht, geht auch die Verbindung zum Heimatland, zur Kultur und zur Erinnerung an die eigenen Wurzeln verloren. Die Frage ist nicht mehr, ob es in Deutschland ein Angebot f\u00fcr den Unterricht in bosnischer Sprache gibt, sondern wie bereit wir sind, uns daf\u00fcr einzusetzen. Wenn bosnische Institutionen und Eltern also wirklich zeigen wollen, wie sehr ihnen Bosnien und Herzegowina am Herzen liegt, dann tun sie dies nicht mit Slogans, Flaggen und Folklore, sondern indem sie bosnischen Kindern \u2013 wo auch immer sie leben \u2013 den Unterricht in bosnischer Sprache erm\u00f6glichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erdin Kaduni\u0107 Die Ergebnisse, zu denen Oslobo\u0111enje nach Korrespondenz mit deutschen Ministerien und Verb\u00e4nden gelangt ist, zeigen, dass das Bild komplex und oft widerspr\u00fcchlich ist: von Erfolgen in bestimmten Bundesl\u00e4ndern bis hin zu v\u00f6lligem Desinteresse in anderen und sogar regelrechten Skandalen. Deutschland ist das wichtigste Land f\u00fcr die bosnische Diaspora. 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